Permakultur Garten anlegen

Wirsing

Der Wirsing (lat. Brassica oleracea convar. capitata var. sabauda) gehört zur Familie der Brassicaceae (Kreuzblütler). Analog zu vielen anderen Kohlarten lässt auch er sich sowohl in Anzuchtkästen vorziehen als auch direkt ins Freiland setzen. Wir präferieren die erstgenannte Methode und beginnen bereits Mitte März.

Kultivierung im Garten

Anbau

Vor der eigentlichen Aussaat legen wir die Samen kurz in heißes, anschließend in kaltes Wasser ein. Das beugt Erkrankungen vor. Danach säen wir sie in Anzuchterde aus und lagern alles in der Vorratskammer des Hauses bei Raumtemperatur. Sobald sich die ersten Jungpflanzen gebildet haben, stellen wir sie an einen kühleren und hellen Ort (in diesem Fall den Vorbau), um das vorzeitige Aufblühen zu verhindern. Nach 14 Tagen pikieren wir die Pflänzchen. Sobald sich mehrere Blätter gebildet haben, werden sie an ihren endgültigen Standort im Freiland überführt. Wir setzen sie nach den Eisheiligen mit einem Abstand von ca. 40 cm aus. Geerntet wird der Kohl dann im Folgejahr nach dem ersten Frost.

Optimale Bedingungen

Wirsing benötigt einen neutralen pH-Wert mit einem hohen Humusanteil, aber er toleriert Schwankungen besser als Weiß- oder Rotkohl.
Als optimale Vorgänger eignen sich Möhren, Kartoffeln, Zwiebeln, Hülsenfrüchte und Gurken. Ungünstig sind andere Kohlarten, Tomaten, Radieschen, Rettich sowie Wirsing selbst.

Wertvolle Inhaltsstoffe und Funktionen

Vitamine
  • Vitamin B6 (ca. 0,2 mg): Protein- und Fettstoffwechsel; Hämoglobinbildung (roter Blutfarbstoff); Immunfunktion; Bildung von Botenstoffen; Beeinflussung der Hormonaktivitäten
  • Vitamin C (ca. 50 mg): Stimulierung des Immunsystems; Antioxidans und Radikalfänger; Hormonsynthese; Aufbau von Knochen, Bindegeweben, Zähnen
  • Vitamin E (ca. 2,5 mg): Abwehr von Bakterien; Radikalfänger und Antioxidans; Schutz der mehrfach ungesättigten Fettsäuren vor Oxidation; Signaltransduktion
  • Folsäure (ca. 30 µg): Zellteilung- und Neubildung; Blutbildung; Coenzym im Aminosäurestoffwechsel
  • Niacin (ca. 0,8 mg): Energiegewinnung (wasserstoffübertragendes Coenzym im gesamten Stoffwechsel); Regeneration von Haut und Muskeln; DNA-Replikation; Zelldifferenzierung
Mineralstoffe
  • Calcium (ca. 65 mg): Bausubstanz für Knochen und Zähne; Blutgerinnung; Aufrechterhaltung des elektrochemischen Gleichgewichtes; Regulation des Herzrhythmus; Muskelkontraktion; Impuls- und Reizübertragung an Nerven (intrazellulärer Messenger); diverse Enzymaktivitäten
  • Eisen (0,5 mg): Hämoglobin- und Myoglobin-Bestandteil; Sauerstoffspeicherung- und transport; Energiegewinnung; Immunabwehr; Baustein von Enzymen
  • Kalium (ca. 280 mg): Regulation des Wasser- und Säure-Basen-Haushalts; Reizübertragung; Aufrechterhaltung des elektrochemischen Gleichgewichtes; Muskelkontraktion; Enzymaktivator; Herzfunktion
  • Phosphat (ca. 55 mg): Aufbau und Festigung der Knochen und Zähne; Energiequelle im Zellstoffwechsel (in Form von ATP); Beteiligung am Säure-Basen-Haushalt als Phosphat-Puffersystem; Bestandteil von Amino- und Nukleinsäuren
  • Zink (ca. 0,5 mg): Enzymaktivator- und bestandteil; Wachstumsvorgänge (Bestandteil von Transkriptionsfaktoren); Insulintransport- und speicherung; Immunfunktion (Transformation von T-Lymphozyten)
Weitere
  • Ballaststoffe: Verdauungsförderung
  • Senföle: antibakteriell, antimykotisch

Die Mengenangaben stellen lediglich Durchschnittswerte dar und beziehen sich jeweils auf 100 g des entsprechenden Lebensmittels.
Für weiterführende Informationen zu den relevanten Makro- und Mikronährstoffen, klickt auf diese Übersicht. Dort habe ich euch die Portraits der einzelnen Vertreter verlinkt.

Lagerung

Im Gemüsefach des Kühlschranks lässt sich der Wirsing ca. 1 Woche lagern. Dabei solltet ihr den Kontakt zu Ethylenbildnern (Äpfel, Tomaten, Bananen, Birnen etc.) vermeiden, da das den Verderb fördern würde.

Verarbeitung

Wirsing lässt sich auch sehr gut einfrosten. Dazu den Kopf einfach waschen, putzen und die ganzen Blätter ca. 2 min. blanchieren. Im Anschluss dann in Eiswasser abschrecken und auskühlen lassen. Eingelagert in TK-Beuteln hält er sich ca. 8 Monate.
Er eignet sich sehr gut zur Integration in winterliche Currys – vor allem in Kombination mit lieblichen Komponenten wie Möhren oder Tomaten. Die großen äußeren Blätter bilden eine ideale Basis für Low-Carb-Wraps.

Rezeptinspirationen

Falls ihr Fragen, Anregungen oder Tipps habt, dann postet mir gern euer Feedback in den Kommentaren oder via Facebook.


Quellen:

Die dargelegten Informationen entstammen hauptsächlich dem Erfahrungsschatz meines Opas, meiner Mutti und mir sowie meinen Mitschriften aus den folgenden Vorlesungen meines Pharmaziestudiums an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena von 2003 – 2007 und der nachfolgenden Literatur:

  • Vorlesung: „Pharmazeutische Biologie“ aus dem 1.-3. Semester – Dozent: Dr. Bernd Liebermann
  • Vorlesung: „Ökotrophologie“ aus dem 4. Semester – Dozent: PD Dr. Volker Böhm
  • Vorlesung: „Biochemie“ aus dem 5. Semester – Dozent: Prof. Dr. Thomas Winckler
  • Hofmann, I.; Carlsson, S.: Die große Ernährungstabelle, 2. Auflage, Bassermann Verlag, 2006
  • Souci, S.; Fachmann, W.; Kraut, H.: Die Zusammensetzung der Lebensmittel, Nährwerttabellen, 8. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2016
  • Software NutriGuide® by Nutri Science GmbH, 2017: Jacobistraße 39, 79104 Freiburg

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