Wildkräuter – heilsame Schätze der Natur

Als Ökopharmazeutin bewege ich meinen Fokus weg von chemisch-synthetischen Arzneistoffen hin zur natürlichen Heilkunde. Pharmaka sollten lediglich als ultima ratio zum Einsatz kommen. Vielmehr vertraue ich den kurativen Wirkungen der Heilkräuter. Aus diesem Grund habe ich mich vor allem auf Alternativpharmazie und Phytotherapie spezialisiert. Gerade die wild wachsenden Kräuter vereinen unglaublich viele Vorzüge für den menschlichen Organismus, so dass ohne dieses geniale Wildgrün mein Speiseplan nicht komplett wäre. Der augenscheinlichste, doch längst nicht einzigste Vorteil: ihr findet sie gratis in der Natur. Weiterhin beinhalten sie wesentlich mehr Vital- und Nährstoffe als das Kulturgrün. Der Grund: die Agrarwirtschaft setzt andere Prioritäten als den Erhalt der wertvollen Inhaltsstoffe. Hier wird hauptsächlich auf Ertrag, Optimierung der Haltbarkeit sowie Krankheitsresistenz gezüchtet.
Achtet unbedingt darauf an abgeschiedenen und unbelasteten Plätzchen zu sammeln. Ein Straßenrand mit starker Verkehrsfrequenz erweist sich natürlich als absolut kontraproduktiv. Auch für Hunde zugängliche Parkanlagen und Wiesen solltet ihr meiden. Nachfolgend eine kleine Auswahl meiner Favoriten:

Bärlauch

  • Botanik: Der Bärlauch gehört zur Familie der Amaryllidaceae (Amaryllisgewächse).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Vitamin C, Kalium, Calcium, Magnesium, Alliin, Allicin, ätherisches Öl, Eisen, Flavonoide
  • Erntezeit: März-Mai
  • Verwendung: Bärlauch besitzt einen sehr aromatischen, knoblauchartigen Geschmack und eignet sich hervorragend als Würzmittel für Dips, Salate und Brotaufstriche. Seine ästhetischen weißen Blüten verwendet meine Mum sehr gern als essbaren Eyecatcher in der kalten Küche.
  • kurative Wirkungen: Sowohl in der Volksheilkunde als auch in der Alternativmedizin findet der Bärlauch Anwendung bei Magen-Darmbeschwerden und als Tonikum zur allgemeinen Stärkung der Konstitution.

Brennnessel

  • Botanik: Brennnessel gehört zur Familie der Urticaceae (Brennnesselgewächse).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Vitamine (A, C), Eisen, Magnesium, Kalium, Phosphor, Flavonoide, Folsäure, Linolsäure, Schleimstoffe
  • Sammelzeitraum: Juni-Oktober
  • Verwendung: Der Geschmack der Brennnessel erinnert ein wenig an Spinat, allerdings besitzt sie ein nussigeres Aroma. Aus diesem Grund verwendet meine Mum die Blätter kurz blanchiert sehr gern als Spinat-Alternative. Ich verzehre sie vorzugsweise roh zum Brot (um die Brennwirkung zu minimieren, spüle ich die Blätter gründlich mit Wasser) oder stelle mir daraus einen Dip bzw. ein Salatdressing her. Weiterhin sehr populär: die Verwendung der Blätter als Bestandteil von grünen Smoothies.
  • kurative Wirkungen: Die gesamten Bestandteile der Arzneipflanze „Urtica dioica“ finden pharmazeutisch Anwendung. Dementsprechend vielfältig sind ihre Wirkungen und Indikationen: Erkrankungen der Verdauungsorgane; aufgrund der harntreibenden Wirkung zur Entgiftung und Entschlackung; weiterhin bei Verstopfung, Magengeschwüren und Durchblutungsstörungen. Wie ihr seht – ein echtes Multitalent.

Gänseblümchen

  • Botanik: Gänseblümchen gehören zur Familie der Asteraceae (Korbblütler).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Vitamine (A, C), Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Saponine, ätherisches Öl, Schleimstoffe
  • Sammelzeitraum: Februar-November
  • Verwendung: Gänseblümchen wachsen auf unseren Wiesen sowie verstreut in unserem Garten. Wir verwenden Blätter, Knospen und Blüten als Salateinlage, in Dips oder schlicht und ergreifend (aufgrund ihres lieblich-würzigen Aromas) als Brotbelag.
  • kurative Wirkungen: Die Blüten werden volkstümlich gegen Hauterkrankungen und Leberschädigungen eingesetzt. Außerdem kurbeln Gänseblümchen den Stoffwechsel an. Äußerlich bringt man sie aufgrund des Gerbstoffgehaltes zur Behandlung kleinere Wunden zum Einsatz. Das ästhetische Wildkraut wurde kürzlich zur Heilpflanze des Jahres 2017 gekürt.

Giersch

  • Botanik: Der Gewöhnliche Giersch (auch bekannt als Geißfuß oder Dreiblatt) gehört zur Familie der Apiaceae (Doldengewächse).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Vitamine (A, C), Kalium, Calcium, Mangan, Zink, Kupfer, Flavonoide, ätherisches Öl
  • Sammelzeitraum: Mai-September
  • Verwendung: Die meisten Gartenbesitzer fürchten den Giersch, da er als „lästiges Unkraut“ verurteilt wird, welches sich nur schwer bis gar nicht eliminieren lässt. Dabei lassen sich sowohl die Blätter und Blüten als auch die Früchte wunderbar in der Küche zum Einsatz bringen. Meine Mum verwendet fein gehackte Giersch-Blätter gern als Suppengrün-Einlage, da sie geschmacklich an Möhre und Petersilie erinnern. Ich nutze sie hingegen eher für Dips und Salate. Die Blüten weisen einen süß-lieblichen Geschmack auf und eignen sich neben der Verwendung in Salaten auch für Desserts.
  • kurative Wirkungen: Giersch wird aufgrund seiner entzündungshemmenden und krampflösenden Wirkungen in der Volks- und Alternativmedizin bei Gicht und rheumatischen Erkrankungen eingesetzt.

Goldrute

  • Botanik: Goldrute gehört zur Familie der Asteraceae (Korbblütler).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Gerbsäure, Saponine, Flavonoide, ätherisches Öl
  • Sammelzeitraum: August-Oktober
  • Verwendung: Dieses geniale Wildgrün war für mich eine der interessantesten Neuentdeckungen des letzten Jahres. Sie wächst direkt bei uns hinter dem Gartenzaun. Ich verwende ihre Blüten – die zunächst einen leicht bitteren Geschmack erzeugen, der im Abgang allerdings durch eine angenehme Süße begleitet wird – als Salatdeko, in Dips oder frisch als Brotbelag.
  • kurative Wirkungen: Goldrutenkraut wirkt u.a. harntreibend, entzündungshemmend, schmerzlindernd sowie leicht krampflösend und findet als hochdosierter Extrakt in Kapseln, Dragees oder Lösungen v.a. bei wiederkehrenden Blasenentzündungen Anwendung. Als Heilpflanze „Solidago virgaurea“ erhielt sie eine positive Monografie durch die Kommission E, einen Sachverständigenausschuss für Phytopharmaka des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Gundermann

  • Botanik: Gundermann gehört zur Familie der Lamiaceae (Lippenblütler).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Gerbstoffe, Bitterstoffe
  • Sammelzeitraum: März-Mai
  • Verwendung: Bei der Gundelrebe verwende ich die würzig-pikanten Blätter vor allem in Salaten, Dips und Brotaufstrichen. Meine Mum kombiniert sie gern zum Rührei oder als Bestandteil ihrer Kräuterbutter. Die dekorativen rötlich-violetten Blüten mit ihrem lieblich-süßen Geschmack eignen sich hervorragend als Topping für Süßspeisen.
  • kurative Wirkungen: Volksmedizinisch wird der Gundermann u.a. bei Magen-Darm-Erkrankungen und Leberschädigungen angewendet. Aufgrund der schleimlösenden Wirkung wird er auch bei grippalen Infekten zum Einsatz gebracht. In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) findet er Anwendung bei Blasenstörungen und Lungenschädigung.

Hirtentäschel

  • Botanik: Das gewöhnliche Hirtentäschel gehört zur Familie der Brassicacae (Kreuzblütler).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Kalium, Calcium, Vitamin C, Flavonoide, Senfölglykoside, Aminosäuren, Saponine
  • Sammelzeitraum: Februar-Oktober
  • Verwendung: Aufgrund des kresseähnlichen Geschmacks der Blätter verwenden wir Hirtentäschel sehr gern als Bestandteil von Wildkräutersalaten, da es eine pikant-aromatische Note verleiht oder einfach direkt zur Brotzeit. Meine Mutti kombiniert das Hirtentäschel auch sehr gern zu Eierspeisen.
  • kurative Wirkungen: Homöopathisch findet es Anwendung bei Nieren- und Gallenerkrankungen sowie Blutungen, volksmedizinisch auch zur Wundheilung.

Kamille

  • Botanik: Die Kamille gehört zur Familie der Asteraceae (Korbblütler).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Bestandteile: Bisabolol, Chamazulen), Schleimstoffe, Flavonoide
  • Sammelzeitraum: Mai-Juli
  • Verwendung: Die optisch ansprechenden und aromatischen Blüten verwenden wir sehr gern in Salaten, aber auch – aufgrund ihres lieblichen Aromas – in Desserts. Die Blätter eignen sich sehr gut als Gewürz in Dips oder Brotaufstrichen.
  • kurative Wirkungen: Als eine der bekanntesten Heilpflanzen überhaupt findet Kamille sowohl innerlich (z.B. Magen-Darmstörungen oder Menstruationsbeschwerden) als auch äußerlich (z.B. bei entzündlichen, rheumatischen Erkrankungen in Salben oder zur Wundheilung) Anwendung.

Knoblauchsrauke

  • Botanik: Die Knoblauchsrauke gehört zur Familie der Brassicacae (Kreuzblütler).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Vitamine (A, C), Senfölglykoside, Saponine, ätherisches Öl, Knoblauchöl
  • Sammelzeitraum: April-Juni
  • Verwendung: Aufgrund des milden Knoblauchgeschmacks eignen sich die Blätter hervorragend für Salate, Dips oder Brotaufstriche. Meine Mum verwendet sie gern als Bestandteil ihres Kräuterquarks, da sie den Zubereitungen eine würzig-pikante Note verleiht.
  • kurative Wirkungen: Volksmedizinisch findet die Knoblauchsrauke v.a. zur Behandlung von Atemwegs-Katarrhen Anwendung. Weiterhin wirkt sie harntreibend und unterstützt auf diese Weise unsere Verdauung. Aufgrund ihrer antimikrobiellen Wirkung wird sie auch bei Wurmbefall eingesetzt.

Löwenzahn

  • Botanik: Löwenzahn gehört zur Familie der Asteraceae (Korbblütler).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Vitamin C, Kalium, Magnesium, Phosphat, Flavonoide, Schleimstoffe, Protein
  • Sammelzeitraum: April-Oktober
  • Verwendung:  Die Blüten von der v.a. in der Agrarkultur und von vielen Kleingärtnern als lästiges „Unkraut“ angesehenen „Pusteblume“ besitzen ein lieblich-süßliches Aroma und peppen aufgrund ihrer strahlend gelben Farbe diverse Salate, Dips und Brotmahlzeiten auf. Aber auch die Blätter mit ihrem hohen Bitterstoffanteil munden mir ausgezeichnet und liefern eine geschmacklich perfekte Abrundung für viele rohköstliche Speisen. Weit verbreitet und sehr beliebt ist der traditionell aus den Blüten zubereitete Löwenzahnhonig.
  • kurative Wirkungen: „Taraxacum officinale“, so die pharmazeutische Bezeichnung dieser wirksamen Heilpflanze, findet v.a. bei Störungen im Magen-Darm-Bereich wie z.B. Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Völlegefühl oder Appetitlosigkeit Anwendung. Löwenzahn erweist sich als echte Vitalstoffbombe: so enthält er doppelt soviel Kalium und Magnesium, 5x soviel Eiweiß und ganze 8x soviel Vitamin C wie Kopfsalat.

Mädesüß

  • Botanik: Das echte Mädesüß gehört zur Familie der Rosaceae (Rosengewächse).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Flavonoide, Salicylate, Gerbstoffe
  • Sammelzeitraum: Juni-August
  • Verwendung: Der Name ist hier Programm – die süßlich-lieblichen Blüten mit ihrem honigartigen Aroma verwenden wir sehr gern in Desserts bzw. Salaten als Gegenpart zu diversen bitter-würzig schmeckenden Kräutern. Die Herkunft des Namens lässt sich im Übrigen auf die Verwendung als aromatisierende Zutat in Bier, Wein und Met zurückführen.
  • kurative Wirkungen: In der Volksmedizin wird Mädesüß bei Störungen der Nieren- und Harnfunktion, bei Ödemen und rheumatischen Beschwerden angewendet.

Malve

  • Botanik: Die Wilde Malve gehört zur Familie der Malvaceae (Malvengewächse).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Schleimstoffe (ca. 10%!), Kalium, Flavonoide
  • Sammelzeitraum: Mai-September
  • Verwendung: Die Blätter pur verzehrt hinterlassen aufgrund des Schleimstoffanteils ein sehr eigenwilliges und gewöhnungsbedürftiges Mundgefühl. Aus diesem Grund verwenden wir sie hauptsächlich zum Andicken von Salatdressings oder Dips. Meine Mum nutzt die optisch ansprechenden Purpur-Blüten sehr gern in Tees, um ihnen eine fruchtige Note zu verleihen oder wir streuen sie als Dekoration auf unsere Wildkräutersalate.
  • kurative Wirkungen: Als Arzneipflanze „Malva sylvestris“ findet sie aufgrund ihres Schleimstoffanteils, welcher sich als schützender Film über die Schleimhäute in Mund- und Rachenraum sowie Magen-Darm-Trakt legt, Anwendung bei Reizhusten und Halsschmerzen oder Magenreizungen.

Schafgarbe

  • Botanik: Die Gewöhnliche Schafgarbe gehört zur Familie der Asteraceae (Korbblütler).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Kalium, Kupfer, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide, ätherisches Öl (Bestandteil: Azulen)
  • Sammelzeitraum: Mai-Oktober
  • Verwendung: Aufgrund des pikant-herben Geschmacks eignet sich die Schafgarbe hervorragend als würzige Salateinlage. Meine Mutti integriert sie sehr gern in Kräuterbutter oder Kräuterquark. Wichtig: je größer die Blätter heranwachsen, umso höher der Bitterstoff-Gehalt.
  • kurative Wirkungen: Die Arzneipflanze „Achillea millefolium“ besitzt unzählige Heilwirkungen und Indikationen (u.a. beruhigend bei Magen-Darm-Erkrankungen, bei Durchblutungsstörungen, zur Anregung der Gallensekretion, bei Lebererkrankungen, bei Kopfschmerzen, bei Hautproblemen, extern bei Gelenkentzündungen) und vieles mehr.

Scharbockskraut

  • Botanik: Scharbockskraut gehört zur Familie der Ranunculaceae (Hahnenfußgewächse).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Vitamin C, Saponine, Gerbstoffe, Alkaloide, Ranunculin
  • Sammelzeitraum: März-April
  • Verwendung: Als eines der wenigen essbaren Ranunculaceae lassen sich die jungen, leicht bitter-scharf schmeckenden Blätter wunderbar in Kräutersalate, Dips oder Brotaufstriche integrieren. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten! Aufgrund des steigenden Alkaloidgehaltes solltet ihr sie ausschließlich vor der Blütezeit ernten.
  • kurative Wirkungen: In der Vergangenheit wurde das Scharbockskraut aufgrund seines hohen Vitamin C Gehaltes gegen Skorbut und Frühjahrsmüdigkeit eingesetzt. Weiterhin werden der Pflanze blut- und hautreinigende Wirkungen zugeschrieben.

Spitzwegerich

  • Botanik: Spitzwegerich gehört zur Familie der Plantaginaceae (Wegerichgewächse).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Iridoidglykoside (Bestandteile: Aucubin, Catalpol), Schleimstoffe, Kalium, Zink, Vitamin C, Gerbstoffe, Flavonoide
  • Sammelzeitraum: Mai-September
  • Verwendung: Aufgrund des aromatisch-nussigen bis pilzartigen Geschmacks werden bei uns sowohl die Blätter und Blüten als auch die Samen zum Einsatz gebracht (u.a. zum Aufpeppen von Gemüsebeilagen, in Dips, Salaten, zur Brotzeit, zu Eierspeisen, in Aufläufen, Eintöpfen und vieles mehr).
  • kurative Wirkungen: Als Heilpflanze „Plantago lanceolata“ erhielt er eine positive Monografie durch die Kommission E, einen Sachverständigenausschuss für Phytopharmaka des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte. 2014 wurde Spitzwegerich als Arzneipflanze des Jahres ausgezeichnet. Angewendet wird das vielseitige Kraut u.a. bei Asthma, Bronchitis, Reizhusten, Schleimhautentzündungen (Magen, Darm, Mund), zur Blutstillung oder zur Reizlinderung im Darmbereich. Verantwortlich für die Wirkungen sind die beiden Iridoidglykoside Aucubin und Catalpol sowie reizlindernde Schleimstoffe.

Taubnessel

  • Botanik: Die Taubnessel gehört zur Familie der Lamiaceae (Lippenblütler).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Kalium, Phosphat, Calcium, Magnesium, Eisen, Zink, Saponine, Flavonoide, Gerbstoffe, Schleime
  • Sammelzeitraum: April-Oktober
  • Verwendung: Meine Mum und ich verfeinern mit diesen wildwachsenden lieblich-süß schmeckenden Blüten unsere Salate und Dips oder wir vernaschen sie einfach als Zwischensnack. Im Kontrast hierzu weisen die Blätter einen leicht bitteren Geschmack auf, die fein gehackt ebenfalls in Salaten und Dips zum Einsatz kommen. Wir sammeln sowohl die weiße als auch die gefleckte Taubnessel.
  • kurative Wirkungen: Volkstümlich wurde sie z.B. gegen Hautausschlag, Brustbeschwerden oder Schlaflosigkeit verwendet. Heute wird die Taubnessel unterstützend zur Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden und Entzündungen eingesetzt.

Vogelmiere

  • Botanik: Vogelmiere gehört zur Familie der Caryophyllaceae (Nelkengewächse).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Calcium, Eisen, Kalium, Magnesium, Selen, Carotinoide, Vitamine (A, B1, B2, C)
  • Sammelzeitraum: März-November
  • Verwendung: Wir verwenden von der Vogelmiere sowohl Stengel als auch Blüten vor allem in Salaten – da sie einen milden, allerdings intensiveren Eigengeschmack als Kopfsalat besitzt und dementsprechend eine sehr gute Alternative darstellt.
  • kurative Wirkungen: Die Vogelmiere besitzt schmerzlindernde, entzündungshemmende und verdauungsfördernde Eigenschaften und wird v.a. bei Rheuma, Krämpfen und Erkrankungen der Blase angewendet. Volksmedizinisch wird sie weiterhin bei Husten und Asthma zum Einsatz gebracht. Daneben erweist sich die Vogelmiere als wahres Vitalstoff-Kraftpaket: beispielsweise enthält sie 8x soviel Vitamin C, 7x soviel Eisen, 3x soviel Kalium bzw. Magnesium oder auch doppelt soviel Calcium im Vergleich zum Kopfsalat. Somit eignet sie sich hervorragend, um euch auch noch im späten Herbst mit essentiellen Mikronährstoffen zu versorgen.

Wiesenkerbel

  • Botanik: Wiesenkerbel gehört zur Familie der Apiaceae (Doldengewächse).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Vitamine (A, C), Eisen, Flavon (Apiin), Bitterstoffe, ätherisches Öl, Cumarine
  • Sammelzeitraum: April-August
  • Verwendung: Kerbel war eines der ersten Kulturkräuter im Garten. Leider existiert er mittlerweile nicht mehr, da er eines Tages verendete. Seither sammle ich alternativ nur noch den Kerbel, der auf unseren Wiesen gedeiht. Aufgrund seines fenchelähnlichen-würzigen Geschmacks verwende ich sowohl Blätter als auch die Blüten in Salaten, Brotaufstrichen oder Dips. Meine Mutti fügt Kerbel als Suppeneinlage oder als Topping auf Omelettes hinzu und bereitet sich aus den Blättern einen Tee.
  • kurative Wirkungen: Die in der Pflanze enthaltenen Bitterstoffe wirken verdauungsfördernd und regen die Magen- und Gallensaftsekretion an. Weiterhin besitzt er harntreibende, antioxidative und blutreinigende Eigenschaften.

Wiesenstorchschnabel

  • Botanik: Der Wiesenstorchschnabel gehört zur Familie der Chenopodiaceae (Gänsefußgewächse).
  • wertvolle Inhaltsstoffe: Gerbstoffe (Ellagitannine), Bitterstoffe, ätherisches Öl, Flavonoide
  • Sammelzeitraum: April-August
  • Verwendung: Die Blätter weisen einen sehr milden Geschmack auf und eignen sich als Beigabe in Salaten, Dips, Gemüsegerichten oder Brotaufstrichen. Die relativ neutral schmeckenden und optisch ansprechenden violetten Blüten verzieren bei uns häufiger den einen oder anderen Wildkräutersalat.
  • kurative Wirkungen: In der Volksmedizin wird Storchschnabel u.a. bei Magen-Darm-Störungen und Lebererkrankungen eingesetzt. Weiterhin soll es stimmungsaufhellend wirken. Aufgrund der adstringierenden Gerbstoffe wird er weiterhin zur Entzündungslinderung im Mund- und Rachenraum oder bei schlecht heilenden Verletzungen zum Einsatz gebracht.

Wildkräuter lassen sich ausgezeichnet trocknen: hierfür könnt ihr einfach die Sonne oder (wie ich) ein Dörrgerät zu Hilfe nehmen. Dazu lasst ihr sie bei schonenden 35°C über mehrere Stunden dehydrieren. Danach füllt ihr sie im Ganzen in luftdichte Vorratsgläser. Kurz vor Gebrauch könnt ihr die Kräuter im Blender fein mahlen. Auf diese Weise sichert ihr euch auch in der kalten Jahreszeit eine gehörige Portion Pflanzenpower.

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig inspirieren und animieren selbst Wildkräuter zu sammeln und euren Ernährungsplan beizufügen. Euer Körper wird es euch danken! Falls ihr euch mit diesem Thema intensiver auseinandersetzen möchtet, empfehle ich euch das Buch „Essbare Wildpflanzen“ von Steffen Guido Fleischhauer. Mit Hilfe des Werkes bekommt ihr alle für die Praxis relevanten Informationen von über 200 Wildkräuterarten (wie z.B. Erntezeitpunkt, Erkennungsmerkmale, Inhaltsstoffe, Heilwirkungen). Es enthält sowohl Portraitfotos als auch detaillierte Illustrationen. Auf diese Art und Weise könnt ihr euch innerhalb kürzester Zeit einen umfangreichen Wissensschatz aneignen.

Falls ihr weitere Fragen oder Anregungen zum Thema habt, dann postet mir gern euer Feedback in den Kommentaren. Inwieweit habt ihr euch bereits mit Wildkräutern auseinandergesetzt und welche Heilkräuter verwendet ihr am liebsten? Ich freue mich auf einen intensiven Austausch.


Quellen:

Die dargelegten Informationen  entstammen meinen Mitschriften aus den folgenden Vorlesungen meines Pharmaziestudiums an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena von 2003 – 2007, meinen persönlichen Erfahrungen sowie der nachfolgenden Literatur:

    • Vorlesung: „Pharmazeutische Biologie“ aus dem 1.-3. Semester – Dozent: Dr. Bernd Liebermann
    • Vorlesung: „Ökotrophologie“ aus dem 4. Semester – Dozent: PD Dr. Volker Böhm
    • Vorlesung: „Biochemie“ aus dem 5. Semester – Dozent: Prof. Dr. Thomas Winckler
    • Vorlesung: „Phytotherapie“ aus dem 6. Semester – Dozent: Prof. Dr. Thomas Winckler
    • Bültjer, U.: Lexikon der Kräuter & Gewürze, 2. Auflage, Bassermann Verlag, 2015
    • Fleischhauer, S.; Gutmann, J.; Spiegelberger, R.: Essbare Wildpflanzen, 18. Auflage, AT-Verlag, 2016

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