„Rohnauwelle“ – vegane Neuinterpretation eines Klassikers

In der letzten Saison habe ich aus unserem garteneigenen Erzeugnissen über den gesamten Sommer bis in den Winter hinein die verschiedensten Rohkosttorten gezaubert. Von Erdbeeren über Stachelbeeren, Äpfel, Johannisbeeren, Pflaumen, Nektarinen, Weintrauben bis hin zu den Birnen und Himbeeren – selbst Kürbisse, Möhren und Süßkartoffeln blieben nicht verschont. Doch eine Frucht fehlte leider gänzlich: die Kirschen. Grund: wir konnten lediglich eine kleine Schüssel voll ernten, da die Blüte vom Frost heimgesucht wurde. Doch dieses Jahr werden wir glücklicherweise wieder mit einem reichhaltigen Angebot gesegnet. Um auch diese fantastischen Früchte würdig zu zelebrieren, habe ich die Umsetzung eines konventionellen Klassikers und gleichzeitig Alltime-Favorits meiner Oma in Angriff genommen – die Donauwelle 2.0 a.k.a. „Rohnauwelle“. Wie diese Titulierung zustande kamen, erfahrt ihr am Ende. Die originelle Deklaration stammt nämlich nicht von mir. Zunächst jedoch erst einmal zum Rezept – denkbar einfach, aber vor allem wie immer superlecker. Dazu noch frei von raffinierten Zucker, Gluten und Tierleid.

Zutaten für 1 Springform ∅ 18 cm:

Boden:

  • 100 g Mandeln
  •  3 EL Erdmandeln
  • 100 g gedörrte Sauerkirschen
  • 1 EL Yaconsirup
  • 1 Prise Salz
  • ca. 100 g entsteinte Süßkirschen

Schoko-Algenbuttercreme:

  • 120 g Cashewmus (alternativ: eingeweichte Cashews)
  • 4 EL Kokosöl
  • 1 EL Algaedrink (alternativ: BOBEI)
  • 2 EL Yaconsirup
  • 1 EL Lucuma
  • ½ TL Vanille
  • 2 EL Kakaopulver
  • 2 EL Kakaonibs

Kirsch-Algenbuttercreme:

  • 120 g Cashewmus (alternativ: eingeweichte Cashews)
  • 4 EL Kokosöl
  • 1 EL Algaedrink (alternativ: BOBEI)
  • 2 EL Yaconsirup
  • 1 EL Lucuma
  • ½ TL Vanille
  • ca. 300 g entsteinte Süßkirschen

Schoko-Glasur:

Zubereitung:

  • Vorbereitung:
    • Springformboden mit Backpapier auslegen
    • Kirschen waschen und entkernen
    • Kirschen für Füllung klein schneiden und gut! abtrocknen
    • Kirschen für Boden halbieren oder vierteln (je nach Größe)
    • Kokosöl schmelzen
  • Boden:
    • ca.  der Mandeln und komplette Menge Erdmandeln im Blender mixen, in Schüssel füllen und mit Yaconsirup und Salz vermengen
    • gedörrte Sauerkirschen ggf. kurz einweichen, pürieren und zu trockenen Zutaten geben
    • alles zu homogenem Teig verarbeiten, Boden in Form geben und festdrücken
    • Kirschhälften auf Boden verteilen und kühl stellen
  • Schoko-Algenbuttercreme:
    • alle Zutaten für 1. Schicht zu homogener Masse verarbeiten
    • gleichmäßig auf Kirsch-Boden verteilen und gut durchkühlen
  • Kirsch-Algenbuttercreme:
    • alle Zutaten für 2. Schicht (außer Kirschen) zu homogener Masse verarbeiten
    • klein geschnittene, abgetupfte Kirschen vorsichtig unterheben
    • Füllung auf 1. Schicht gleichmäßig verteilen und erneut gut durchkühlen
  • Grundmasse d. Rohkostschokolade als Deko darübergießen, Wellenmuster ziehen und kühl stellen

Und fertig ist die Rohkosttorte. Die Sauerkirschen, die ich direkt in den Boden integriert habe, sind optional, aber ich hatte vor einigen Tagen eine riesige Menge geerntet und einen Teil davon in meinem Dörrgerät dehydriert. Sie wirken der karamellig-malzigen Süße des Yaconsirups perfekt entgegen und intensivieren gleichzeitig das Kirscharoma. Meine Sorten, die auf unseren Streuobstwiesen gedeihen, besitzen eine intensive Süßkraft, so dass ich den Anteil des Sirups relativ gering gehalten habe. Hier könnt ihr komplett nach eurem Gusto abschmecken bzw. auf eine andere gesunde Zuckeralternative eurer Präferenz zurückgreifen.

Auch die Verwendung des Algaedrink ist absolut kein Muss. Die Füllungen erhalten dennoch die perfekte Konsistenz. Allerdings liefert er eine ganz dezente Butternote, die die Vollmundigkeit der beiden Cremes verstärkt. Die Idee ihn zu integrieren, entstand durch mein „Algenbutter“-Rezept, welches ich vor einiger Zeit kreiert habe.
Für die Glasur habe ich die Hälfte meines Grundrezepts für rohvegane Schokolade verwendet, allerdings auch hier den Anteil des Süßungsmittels reduziert. Den entsprechenden Link findet ihr oben.

Die Teige und Füllungen an sich sind schnell zusammengemixt. Lediglich die Kühlzeiten und das Entsteinen der Kirschen stellen eine kleine Geduldsprobe dar. Aber (um es bereits vorweg zu nehmen) ich verspreche euch, es lohnt sich definitiv.
Als ich gerade dabei war die Torte zu portionieren, bekam ich spontanen Besuch von meiner Mutti und Oma in der Küche.
„Oooh, Fanny, hast du etwa Donauwelle gebacken?“
fragte meine Oma gleich Feuer und Flamme.
Meine Antwort – ein klares „Jein, aber testet selbst.“
„Mmmmh, Wahnsinn. Ein absolutes Träumchen. Die schmeckt mal wieder extrem fannytastisch. So intensiv fruchtig durch unsere frischen Kirschen und vor allem ohne diese klassische penetrante Süße.“ schwärmte meine Mutti.
„Ich muss ehrlich sagen“ – erwiderte meine Oma – „die schmeckt mir sogar noch eine Spur besser als die nach meinem Rezept. Sie ist fruchtiger und leichter. Bestimmt, weil sie vegan ist, oder?“ – „Ja Oma, nicht nur vegan, sondern auch rohköstlich.“
„Wie, die ist gar nicht gebacken?“ wunderte sich meine Oma.
„Deshalb diese intensive Fruchtigkeit.“ analysierte meine Mum. „Ich kann verstehen, dass du fast nur noch Rohkosttorten zubereitest. Die Aromen bleiben viel besser erhalten. Dann hast du sozusagen eine ‚Rohauwelle‘ kreiert.“
So entstand schlussendlich der Name – Dank meiner Mutti.

Ein weiterer großer Pluspunkt: ihr benötigt für die Herstellung der Torte keinen Hochleistungsmixer. Wenn ihr Cashewmus als Basis verwendet (ich stelle es nach dieser Anleitung immer selbst her, aber ihr könnt es auch fertig erwerben), dann reicht ein einfacher Handmixer oder ein Schneebesen. Ansonsten könnt ihr auch eingeweichte Cashews verarbeiten. Hier benötigt ihr allerdings einen leistungsstarken Mixer und ihr solltet noch ein wenig Flüssigkeit ergänzen.

Persönliches Fazit: ich selbst konnte der klassischen Donauwelle nie viel abgewinnen, auch wenn sie zu den allseits beliebten Familienklassikern gehörte. Der Mandel-Rührteig-Boden war mir immer viel zu trocken und die Vanille-Buttercreme zu mächtig. Aber dieser Rawcake hat mir ausgezeichnet geschmeckt. Ansonsten hätte ich auch das Rezept nicht mit euch geteilt 😊. Durch den hohen Anteil an Kirschen wird der Cremefüllung die Mächtigkeit genommen und gleichzeitig eine fruchtige Süße vermittelt, die durch die karamellig-mangoähnliche Note des Lucumapulvers akzentuiert wird. Dadurch entsteht eine grandiose geschmacklich ausbalancierte Harmonie der einzelnen Komponenten. Das intensiv herbe Schokoaroma der beiden Kakaoerzeugnisse komplettiert die Gesamtkomposition.

Deshalb meine Empfehlung an euch: unbedingt ausprobieren. Ihr werdet es nicht bereuen, versprochen. Falls ihr Fragen, Anregungen oder Wünsche habt, schreibt sie mir gern in die Kommentare oder kontaktiert mich via Facebook.

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