Permakultur Garten anlegen

Süßkartoffeln

Süßkartoffeln bzw. Bataten (lat. Ipomoea batatas) gehören zur Familie der Convolvulaceae (Windengewächse). Mit unserer Kartoffel sind sie nicht verwandt.
Die Geschichte wie wir zu unseren Exemplaren kamen, gehört mit zu den skurrilsten meines noch recht jungen Hobbygärtner-Daseins. Auf einem Foodsharing-Event in Berlin wurde meine Passion für die Knolle geweckt, denn bis dato hatte ich mit diesen Nährstoffbomben wenig Berührungspunkte. Dort wurde als Mittagsmahlzeit u.a. ein Süßkartoffel-Curry aus geretteten Lebensmitteln gezaubert, welches mich restlos begeistern konnte.

 

Kultivierung im Garten

Anbau

Als ich im Bioladen meines Vertrauens eine Süßkartoffel erwarb, kam ich zufällig mit der Chefin ins Gespräch, da sie ebenfalls einen eigenen Garten besitzt. Sie gab mir DEN entscheidenden Tipp wie sie ihre Süßkartoffeln selbst aus Stecklingen kultiviert hat. Genau diese Anleitung habe ich Zuhause umgesetzt und – um es bereits vorweg zu nehmen – es hat tatsächlich funktioniert.
Hierfür habe ich eine Knolle zur Hälfte in ein Wasserglas gestellt und solange gewartet bis sie Wurzeln geschlagen hat und ausgekeimt ist. Das Ganze habe ich bei mir im Arbeitszimmer auf die Fensterbank in Heizungsnähe platziert, denn zur Keimung benötigen die Süßkartoffeln Temperaturen um die 30°C und sehr viel Licht. Sobald die Stecklinge eine ausreichende Länge erreicht hatten, habe ich sie abgeschnitten und mit Unterstützung meiner Mutti Ende April im Garten ca. 10 cm tief eingepflanzt. Ende September haben wir sie quantitativ abgeerntet.

Optimale Bedingungen

Süßkartoffeln benötigen nährstoffreiche Sandböden mit schwach saurem pH-Wert. Genau wie ich selbst lieben sie Wärme, Licht und Sonne. Bereits Temperaturen unter 10°C können ihr Wachstum hemmen. Frost vertragen sie absolut gar nicht. Achtung: Süßkartoffeln beanspruchen als Windengewächse extrem viel Platz und überwuchern regelrecht den Boden.
Als gute Vorgänger eignen sich vor allem Kürbisse, Tomaten, Zucchini, Zwiebeln und Gurken. Ungünstig hingegen: Süßkartoffeln selbst.

Wertvolle Inhaltsstoffe und Funktionen

Vitamine
  • Vitamin A (ca. 1300 µg): Sehvorgang; Knochenaufbau; Wachstumsprozess und Zelldifferenzierung; Fortpflanzung und Embryogenese; Bildung und Gesunderhaltung von Haut und Schleimhäuten; Stärkung des Immunsystems
  • Vitamin B6 (ca. 0,3 mg): Protein- und Fettstoffwechsel; Hämoglobinbildung (roter Blutfarbstoff); Immunfunktion; Bildung von Botenstoffen; Beeinflussung der Hormonaktivitäten
  • Vitamin E (ca. 5 mg): Abwehr von Bakterien; Radikalfänger und Antioxidans; Schutz der mehrfach ungesättigten Fettsäuren vor Oxidation; Signaltransduktion
  • Niacin (ca. 1 mg): Energiegewinnung (wasserstoffübertragendes Coenzym im gesamten Stoffwechsel); Regeneration von Haut und Muskeln; DNA-Replikation; Zelldifferenzierung
Mineralstoffe
  • Eisen (ca. 0,5 mg): Hämoglobin- und Myoglobin-Bestandteil; Sauerstoffspeicherung- und transport; Energiegewinnung; Immunabwehr; Baustein von Enzymen
  • Kalium (ca. 360 mg): Regulation des Wasser- und Säure-Basen-Haushalts; Reizübertragung; Aufrechterhaltung des elektrochemischen Gleichgewichtes; Muskelkontraktion; Enzymaktivator; Herzfunktion
  • Kupfer (ca. 130 µg): Produktion der Erythrozyten (rote Blutkörperchen); Enzymbestandteil; Stärkung der Immunfunktion
  • Magnesium (ca. 20 mg): Enzymaktivator bzw. -inhibitor; Aufrechterhaltung des elektrochemischen Gleichgewichtes; Reizübertragung; Synthese von Fettsäuren und Proteinen; Kontrolle der Muskelkontraktion (extrazellulär als Calcium-Antagonist)
  • Mangan (ca. 240 µg): Enzymbestandteil- und aktivator (v.a. im Kohlenhydrat-, Fett-, Protein-, Vitamin-B-Stoffwechsel); Protein- und Fettsäuresynthese; Insulinsynthese- und sekretion (Stabilisierung des Blutglucosespiegels); Harnstoffbildung; Energiegewinnung in Mitochondrien
Weitere 
  • Antioxidantien (β-Carotin): Radikalfänger, Schutz der Körperzellen
  • Ballaststoffe: Verdauungsförderung
  • Flavonoide (Anthocyane): gefäßschützende Wirkung, Schutz vor freien Radikalen

Die Mengenangaben stellen lediglich Durchschnittswerte dar und beziehen sich jeweils auf 100 g des entsprechenden Lebensmittels. Mit einer kleinen Süßkartoffel habt ihr bereits den Tagesbedarf an Vitamin A locker gedeckt.
Für weiterführende Informationen zu den relevanten Makro- und Mikronährstoffen, klickt auf diese Übersicht. Dort habe ich euch die Portraits der einzelnen Vertreter verlinkt.

Lagerung

Die Bataten sollten trocken, kühl und lichtgeschützt gelagert werden, allerdings nicht im Kühlschrank. Auf diese Weise halten sie ca. 2 Monate. Leider sind sie – im Gegensatz zu unseren normalen Kartoffeln – schlechter lagerfähig. Wir deponieren sie im kühlen Keller in unseren Gemüsestiegen und decken sie mit Zeitungspapier ab. Vorher haben wir die Süßkartoffeln in der Sonne gut abtrocknen lassen, um die Gefahr der Schimmelbildung zu minimieren.

Verarbeitung

Alternativ könnt ihr Bataten auch einfrieren. Hierfür werden die gesäuberten Exemplare mit Schale ca. 20-25 min. gedämpft. Anschließend lasst ihr sie gut auskühlen. Die fertigen Süßkartoffeln solltet ihr dann noch einmal mit Haushaltsfolie umwickeln und in Gefrierbeuteln verpackt einfrosten. Auf diese Weise halten sie knapp 1 Jahr.
Die Knollen lassen sich vielseitig verwenden: ob als Curry, Püree, Pommes, roh als Salateinlage oder gar in Brownies und Rohkosttorten – Bataten bereichern aufgrund des hohen Nährstoffgehaltes und ihres lieblich-süßen Aromas jeden Speiseplan.

Rezeptinspirationen

Falls ihr Fragen, Anregungen oder Tipps habt, dann postet mir gern euer Feedback in den Kommentaren oder via Facebook.


Quellen:

Die dargelegten Informationen entstammen hauptsächlich dem Erfahrungsschatz meines Opas, meiner Mutti und mir sowie  meinen Mitschriften aus den folgenden Vorlesungen meines Pharmaziestudiums an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena von 2003 – 2007 und der nachfolgenden Literatur:

  • Vorlesung: „Pharmazeutische Biologie“ aus dem 1.-3. Semester – Dozent: Dr. Bernd Liebermann
  • Vorlesung: „Ökotrophologie“ aus dem 4. Semester – Dozent: PD Dr. Volker Böhm
  • Vorlesung: „Biochemie“ aus dem 5. Semester – Dozent: Prof. Dr. Thomas Winckler
  • Hofmann, I.; Carlsson, S.: Die große Ernährungstabelle, 2. Auflage, Bassermann Verlag, 2006
  • Souci, S.; Fachmann, W.; Kraut, H.: Die Zusammensetzung der Lebensmittel, Nährwerttabellen, 8. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2016
  • Software NutriGuide® by Nutri Science GmbH, 2017: Jacobistraße 39, 79104 Freiburg

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