Permakultur Garten anlegen

Spinat

Spinat (lat. Spinacia oleracea) gehört zur Familie der Amaranthaceae (Fuchsschwanzgewächse). Mein Opa erhielt einst von seiner Schwester Samen der Sorte „Mandolin“. Der erwies sich als absoluter Glücksgriff. Nicht nur die Ernte war sehr ertragreich, auch der nussig-vollmundige Geschmack überzeugte uns voll und ganz. Seither vermehren wir diese Spezies aus den Samen und hüten sie wie unseren Augapfel.

Kultivierung im Garten

Anbau

Die Aussaat erfolgt immer Anfang September ins Freiland, damit wir im nächsten Frühjahr die ersten Erträge ernten können. Dazu lassen wir die Samen ankeimen und setzen sie ca. 2 cm tief ein. Spinat keimt bei ca. 2-5°C. Wichtig: bis zum Frost müssen die Pflänzchen eine kleine Blattrose ausgebildet haben. Er verträgt Kälte bis -8°C. Wir decken ihn sicherheitshalber immer mit Gartenfolie ab.
Übrigens wächst er auch im Blumenkasten auf dem Balkon. Hier solltet ihr ihn eventuell während der Wachstumsperiode mit etwas Dünger versorgen. Der sollte allerdings nicht zu stickstoffhaltig sein, da sonst zu viel Nitrat in den Blättern gespeichert wird.

Optimale Bedingungen

Als optimale Vorgänger für Spinat eignen sich Gurken, Kohlarten, Möhren, Kartoffeln, Radieschen und Erbsen. Ungünstig hingegen: diverse Blattsalate.
Spinat benötigt einen guten Boden, der reich an organischen Stoffen und nicht zu sauer sein sollte. Unser Winterspinat präferiert sonnige Standorte. Wenn ihr Sommerpsinat kultiviert, dann eignen sich schattige Beete besser.

Wertvolle Inhaltsstoffe und Funktionen

Vitamine
  • Vitamin A (ca. 780 µg): Sehvorgang; Knochenaufbau; Wachstumsprozess und Zelldifferenzierung; Fortpflanzung und Embryogenese; Bildung und Gesunderhaltung von Haut und Schleimhäuten; Stärkung des Immunsystems
  • Vitamin B1 (ca. 0,1 mg): wichtiges Coenzym im Kohlenhydrat- und Energiestoffwechsel; Erregungsleitung; Regeneration des Nervensystems
  • Vitamin B2 (ca. 0,2 mg): wichtiges Coenzym bei Reduktions- und Oxidationsreaktionen im Stoffwechsel; Energiegewinnung in Form von ATP aus Glucose und Fettsäuren; Synthese und Oxidation der Fettsäuren
  • Vitamin B6 (ca. 0,2 mg): Protein- und Fettstoffwechsel; Hämoglobinbildung (roter Blutfarbstoff); Immunfunktion; Bildung von Botenstoffen; Beeinflussung der Hormonaktivitäten
  • Vitamin C (ca. 50 mg): Stimulierung des Immunsystems; Antioxidans und Radikalfänger; Hormonsynthese; Aufbau von Knochen, Bindegeweben, Zähnen
  • Vitamin E (ca. 1,4 mg): Abwehr von Bakterien; Radikalfänger und Antioxidans; Schutz der mehrfach ungesättigten Fettsäuren vor Oxidation; Signaltransduktion
  • Vitamin K (ca. 40 µg): Bildung von Blutgerinnungsfaktoren- und inhibitoren; Knochenstoffwechsel; Nierenfunktion
  • Niacin (ca. 1,5 mg): Energiegewinnung (wasserstoffübertragendes Coenzym im gesamten Stoffwechsel); Regeneration von Haut und Muskeln; DNA-Replikation; Zelldifferenzierung
Mineralstoffe
  • Calcium (ca. 125 mg): Bausubstanz für Knochen und Zähne; Blutgerinnung; Aufrechterhaltung des elektrochemischen Gleichgewichtes; Regulation des Herzrhythmus; Muskelkontraktion; Impuls- und Reizübertragung an Nerven (intrazellulärer Messenger); diverse Enzymaktivitäten
  • Eisen (ca. 4 mg): Hämoglobin- und Myoglobin-Bestandteil; Sauerstoffspeicherung- und transport; Energiegewinnung; Immunabwehr; Baustein von Enzymen
  • Kalium (ca. 550 mg): Regulation des Wasser- und Säure-Basen-Haushalts; Reizübertragung; Aufrechterhaltung des elektrochemischen Gleichgewichtes; Muskelkontraktion; Enzymaktivator; Herzfunktion
  • Magnesium (ca. 60 mg): Enzymaktivator bzw. -inhibitor; Aufrechterhaltung des elektrochemischen Gleichgewichtes; Reizübertragung; Synthese von Fettsäuren und Proteinen; Kontrolle der Muskelkontraktion (extrazellulär als Calcium-Antagonist)
  • Mangan (ca. 600 µg): Enzymbestandteil- und aktivator (v.a. im Kohlenhydrat-, Fett-, Protein-, Vitamin-B-Stoffwechsel); Protein- und Fettsäuresynthese; Insulinsynthese- und sekretion (Stabilisierung des Blutglucosespiegels); Harnstoffbildung; Energiegewinnung in Mitochondrien
  • Zink (ca. 0,5 mg): Enzymaktivator- und bestandteil; Wachstumsvorgänge (Bestandteil von Transkriptionsfaktoren); Insulintransport- und speicherung; Immunfunktion (Transformation von T-Lymphozyten)
Weitere 
  • Antioxidantien (β-Carotin, Lutein): Radikalfänger, Schutz der Körperzellen, Prävention von Augenerkrankungen 

Die Mengenangaben stellen lediglich Durchschnittswerte dar und beziehen sich jeweils auf 100 g des entsprechenden Lebensmittels. Spinat ist ein echtes Superfood. Mit 200 g deckt ihr bereits euren Tagesbedarf an Vitamin A, C und K.
Für weiterführende Informationen zu den relevanten Makro- und Mikronährstoffen, klickt auf diese Übersicht. Dort habe ich euch die Portraits der einzelnen Vertreter verlinkt.

Lagerung

Im Obst- und Gemüsefach des Kühlschranks hält sich Spinat luftig und locker verpackt max. 2 Tage. Wichtig: aufgrund des Oxalsäuregehaltes solltet ihr ihn nicht in Metallgefäßen oder in Alufolie aufbewahren, da die Fruchtsäure damit reagiert und giftige Substanzen gebildet werden.

Verarbeitung

Alternativ lässt er sich auch hervorragend einfrosten: Spinat waschen, putzen, kurz blanchieren, in Eiswasser abschrecken, gut ausdrücken und kleine Bällchen formen. Diese werden dann portionsweise in TK-Beuteln eingefrostet. Auf diese Weise hält sich das Superfood ca. 1 Jahr.
Wie bereits erwähnt, enthält Spinat Oxalsäure. Ihr könnt ihn zwar roh verzehren (schmeckt sehr köstlich), allerdings nicht in zu großen Mengen. Oxalsäure hemmt die 
Aufnahme von Calcium, weil sich im Magen-Darm-Trakt das schwer lösliche Salz Calcium-Oxalat bildet. Das kann bei Menschen mit entsprechender Prädisposition zur Bildung von Nierensteinen führen. Die Säure greift auch den Zahnschmelz an, deshalb am besten gründlich Zähne putzen. Den Gehalt könnt ihr reduzieren, in dem ihr den Spinat ganz kurz blanchiert. Ich persönlich verzehre ihn allerdings sowohl roh als auch gegart.

Rezeptinspirationen

Falls ihr Fragen, Anregungen oder Tipps habt, dann postet mir gern euer Feedback in den Kommentaren oder via Facebook.


Quellen:

Die dargelegten Informationen entstammen hauptsächlich dem Erfahrungsschatz meines Opas, meiner Mutti und mir sowie  meinen Mitschriften aus den folgenden Vorlesungen meines Pharmaziestudiums an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena von 2003 – 2007 und der nachfolgenden Literatur:

  • Vorlesung: „Pharmazeutische Biologie“ aus dem 1.-3. Semester – Dozent: Dr. Bernd Liebermann
  • Vorlesung: „Ökotrophologie“ aus dem 4. Semester – Dozent: PD Dr. Volker Böhm
  • Vorlesung: „Biochemie“ aus dem 5. Semester – Dozent: Prof. Dr. Thomas Winckler
  • Hofmann, I.; Carlsson, S.: Die große Ernährungstabelle, 2. Auflage, Bassermann Verlag, 2006
  • Souci, S.; Fachmann, W.; Kraut, H.: Die Zusammensetzung der Lebensmittel, Nährwerttabellen, 8. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2016
  • Software NutriGuide® by Nutri Science GmbH, 2017: Jacobistraße 39, 79104 Freiburg

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