veganer Kokosjoghurt energy bites

Quicktipp: DIY Joghurt ohne Equipment – vegan, zuckerfrei, roh

Vegane Fertigprodukte nicht überzeugend

Naturjoghurt aus Kuhmilch konsumierte und verarbeitete ich vor meiner veganen Ära relativ häufig. Während meiner Ernährungsumstellung testete ich auch das ein oder andere vegane Produkt auf Basis von Hanf oder Soja. Keines konnte mich geschmacklich auch nur annährend überzeugen. Lediglich ein Joghurt aus Kokosmilch befand mein Gaumen für annehmbar. Allerdings missfielen mir hier sowohl der Preis als auch die Zutatenliste. Zwar gelten die Zusatzstoffe v.a. im Biobereich offiziell als unbedenklich, aber – wenn möglich – vermeide sie dennoch. Zu dem Zeitpunkt habe ich nicht einmal annähernd daran gedacht die vegane Joghurtherstellung selbst in die Hand zu nehmen.

DIY-Methode absolut einfach

Mit anderen Worten: ich habe Joghurt (ein bisschen wehmütig) weitestgehend aus meinem Speiseplan ersatzlos gestrichen. Da ich ihn allerdings auch als Zutat für einige Rezepte (wie z.B. den veganen Rotkrautsalat, den Nicecreams oder auch den veganen Fladenbroten) benötige, sah ich mich gezwungen ab und an welchen zu erwerben – bis jetzt. Vergangene Woche habe ich die Raw Chef Akademie von Boris Lauser in Berlin absolviert und dort veganen Nussjoghurt bzw. Quark und Frischkäse in verschiedenen Variationen hergestellt. Ich hätte nie für möglich gehalten wie einfach das ganze Prozedere vonstatten geht. Meine favorisierte Kreation in Form eines Cashew-Kokos-Joghurts präsentiere ich euch an dieser Stelle:

Zutaten für ca. 300-400 ml Joghurt/ Frischkäse/ Quark

  • 150 g Cashews
  • ca. 150 – 250 ml Kokoswasser (oder Flüssigkeit eurer Wahl; Wasser funktioniert auch)
  • Probiotikum: 1 Kapsel Advanced Probiotic Blend
  • optional: Süßungsmittel, Gewürze (z.B. gemahlene Vanille, Zimt), Zitronen- oder Orangenabrieb

Zubereitung

  • Cashews mehrere Stunden einweichen, abspülen und Wasser entfernen
  • Kerne im Hochleistungsmixer mit Kokoswasser mind. 1-2 Minuten auf höchster Stufe cremig mixen (leichte Wärme entsteht)
  • Probiotikum zufügen und alles erneut kurz mixen
  • Masse in Glas oder Schüssel geben (maximal ¾ befüllen) und mindestens 12-18 Stunden an einem warmen Ort fermentieren (bzw. bis zum gewünschten Säuregrad)

Und damit ist die vegane Joghurtherstellung bereits erfolgreich gemeistert. Dicht verschlossen im Kühlschrank gelagert hält sich euer Endprodukt – je nach Flüssigkeitsmenge und Fermentationsgrad – ungefähr 1-2 Wochen. Alternativ könnt ihr es auch einfrieren. Wie ihr seht, gestaltet es sich tatsächlich denkbar einfach eigenen veganen Joghurt, Frischkäse oder Quark herzustellen. Auch ohne Joghurtzubereiter oder andere Gadgets funktioniert die Zubereitung absolut super.

Vegane Joghurtherstellung – einige Tipps

Nicht luftdicht verschließen

Einige Punkte solltet ihr jedoch beachten: die fertig gemixte Grundmasse solltet ihr maximal bis ¾ in die Behältnisse füllen, da das Volumen aufgrund der Fermentation zunimmt. Ich verwende sehr gern meine Sprossengläser mit luftdurchlässigen Deckeln, denn die Gefäße dürfen nicht komplett verschlossen sein. Während des Gärungsprozesses wird COfreigesetzt, das entweichen muss. Alternativ könnt ihr auch eine Schüssel verwenden, die ihr mit perforierter Frischhaltefolie abdeckt. Ich empfehle euch die Masse erst nach Abschluss des Gärprozesses zu würzen. Auf diese Weise könnt ihr das Produkt sowohl in herzhafte als auch süße Gerichte integrieren.

Fermentation benötigt Wärme

Der Mixer läuft während der Herstellung der homogenen Emulsion ein wenig warm. Das braucht euch keine Sorgen zu bereiten – im Gegenteil. Es sorgt dafür, dass die Fermentation schneller starten kann und ist an dieser Stelle sogar erwünscht.

Vor Verzehr kräftig umrühren

Nach Abschluss der Fermentation solltet ihr die fertige Creme noch einmal gut durchrühren, um das restliche eingeschlossene COkomplett zu eliminieren.
Die Konsistenz – ob dick- oder dünnflüssiger – variiert je nach Flüssigkeitsgehalt. Hier könnt ihr entscheiden, ob ihr lieber einen fließfähigeren Joghurt oder aber eher eine Art Frischkäse bzw. Quark erhalten möchtet.

Warum auf Cashewbasis?

Cashews eignen sich generell am besten, da sie aufgrund des geringen Ballaststoffgehaltes eine vollständige Emulsion mit der Flüssigkeit eingehen. Ihr könnt allerdings auch jegliche andere Art von Nüssen oder Kernen verwenden. Von Mandeln über Macadamias bis hin zu Haselnüssen – völlig egal. Es klappt mit allen.

Starterkulturen

Das Probiotikum in Form von Kapseln, welches bei mir zum Einsatz kommt, habe ich über Boris bezogen. Mittlerweile findet ihr solche Produkte in jedem gut sortierten Biomarkt oder in der Apotheke. Dabei verwende ich nicht die Hülle, sondern lediglich den Inhalt. Auf diese Weise gehe ich kein unnötiges Risiko ein, dass sich die Kapsel ggf. nicht quantitativ auflöst und die Fermentation unregelmäßig erfolgt. So erhalte ich immer eine homogene Verteilung und ein optimales Resultat. Mein Ferment besteht aus Acidophilus- und Bifidostämmen. Aber auch hier seid ihr absolut variabel, was die Zusammensetzung anbelangt. Alternativ könnt ihr auch Joghurtfermente in Beuteln erwerben.

Joghurtzubereiter nicht erforderlich

Das Resultat konnte sogar meine Mutti so extrem überzeugen, dass sie anstelle ihres heißgeliebten Zitronenjoghurts nur diese vegane Version verwendet und entsprechend verfeinert. Das Kokosaroma verleiht der Zubereitung eine lieblich-exotische Note ohne zu dominieren. Am liebsten verwerte ich das Wasser frischer Trinkkokosnüsse. Aus dem Fruchtfleisch stelle ich dann parallel immer gedörrte Kokos-Wraps her. Alternativ könnt ihr aber auch Kokoswasser aus dem Bioladen verarbeiten.
Das Endprodukt bringe ich neben dem direkten Verzehr vor allem in den oben genannten Rezepten zum Einsatz. Doch allein damit ist das riesige Potential veganer Milchprodukt-Alternativen längst noch nicht erschöpft – wie ihr anhand folgender Inspirationen sehen könnt:

Impfmethode

Ihr könnt übrigens einen Anteil des fertigen Produktes abnehmen, um diesen als Starterkultur für eine neue Charge zu verwenden. Mit Hilfe dieser Impfmethode funktioniert die vegane Joghurtherstellung genauso einwandfrei. Hier solltet ihr die Fermentation allerdings nur maximal 5-6 Stunden voranschreiten lassen. Nach mehreren hintereinander folgenden Anwendungen wird dann allerdings ein neues Probiotikum benötigt.

Fermentation – großartige Zubereitungsmethode

Last but not least noch einige Facts zur Fermentation als traditionelle Konservierungsmethode aus Omas Zeiten. Bekannte Produkte sind vor allem Sauerkraut und Kimchi (eine koreanische Zubereitungsart, um die Haltbarkeit von Gemüse zu verlängern). Darunter versteht man die Umwandlung von komplexen organischen Verbindungen mithilfe von Bakterien, Enzymen oder Pilzen. Daraus entstehen schlussendlich Alkohol, Gase und Säuren. Letztere sorgen gleichzeitig für die Haltbarkeit. Für die vegane Joghurtherstellung werden Milchsäurebakterien benötigt. Lasst euch nicht abschrecken, dass hier „Milch“ enthalten ist. Diese probiotischen Kulturen sind dennoch tierleidfrei.

Fermentationsprodukte – gesünder, länger haltbar, super lecker

Die Gärung vereinigt viele Vorteile: so werden hierbei nicht nur Schadstoffe wie Oxal- oder Blausäure abgebaut, sondern auch wertvolle Inhaltsstoffe potenziert oder gar neu gebildet. Beim Sauerkraut liegt der Vitamin-C-Gehalt im Vergleich zum frischen Weißkohl um ein Vielfaches höher. Zudem sind fermentierte Speisen wesentlich besser bekömmlich. Der Grund: die Lebensmittel werden während des Prozesses quasi vorverdaut, so das komplexe Kohlenhydrate und Proteine in ihre kleineren Bestandteile zerlegt werden. Auf diese Weise werden sie für uns verträglicher.

Habt ihr schon die vegane Joghurtherstellung ausprobiert? Welche Erfahrungen konntet ihr sammeln? Falls ihr noch Tipps und Tricks zum Thema Fermentation parat habt, dann postet sie gern in den Kommentaren oder auf Facebook. Für Inspirationen und Anregungen eurerseits bin ich stets dankbar.

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