Brennnessel Kalzium

Calcium – das Knochenmineral

Calcium (Kalzium) gehört zu den bekanntesten Mineralstoffen. Es besitzt vor allem in der Osteoporoseprävention – und therapie zusammen mit Vitamin D eine immense Bedeutung. Die Konzentration im Blutserum eines Erwachsenen schwankt im Normalfall zwischen 2,15 – 2,65 mmol/l. Sie wird durch das Parathormon aus der Nebenschilddrüse reguliert. Ca. 99% des Bestandes ist in den Knochen gebunden, der Rest befindet sich im Extrazellularraum.

Regulation des Calciumhaushaltes

Funktionen

Calcium spielt eine zentrale Rolle bei folgenden Prozessen:

  • Bausubstanz für Knochen und Zähne
  • Blutgerinnung
  • Aufrechterhaltung des elektrochemischen Gleichgewichtes
  • Regulation des Herzrhythmus
  • Kontraktion der Muskeln
  • Impuls- und Reizübertragung an Nerven (intrazellulärer Messenger)
  • diverse Enzymaktivitäten

Wie entsteht eine Calcium-Unterversorgung?

Zu hohe Ca-Werte können bei einer Überdosierung der Vitamine A und D, bei einer Unterfunktion der Nebennieren oder einer Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) auftreten.

Wie äußert sich ein Mangel?

  • Knochenabbau
  • Müdigkeit
  • Blutungsneigung
  • Krämpfe

Wann treten erhöhte Werte auf?

Liegen zu geringe Vitamin-D-Werte im Blut vor, kann dies zu einer verminderten Ca-Konzentration führen. Auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen kann der Wert verringert sein.

Symptome einer Überdosierung

  • Übelkeit/ Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Verkalkungen an Lungen und Nieren (Nierensteine)
  • Knochenabbau

Bedarfsdeckung

Die empfohlene Tageszufuhr für Erwachsene liegt bei ca. 1000 mg (= 1 g). Im folgenden findet ihr einige Quellen, die zur Deckung des Bedarfs beitragen. Die Mengen beziehen sich jeweils auf 100 g des entsprechenden Nahrungsmittels. Dabei berücksichtige ich sowohl Herkunftsquellen, die sich für Anhänger der omnivoren als auch der pflanzenbasierten Ernährungsform eignen.

tierisch
  • Kuhmilch (ca. 150 mg)
  • Käse z.B. Parmesan, Emmentaler (ca. 1400 mg bzw. 1100 mg)
pflanzlich
  • Sesam (ca. 785 mg)
  • Mandeln (ca. 250 mg)
  • Brennnessel (ca. 190 mg)
  • Gartenkresse (ca. 215 mg)
  • Petersilie (ca. 245 mg)
  • Hagebutte (ca. 260 mg)
  • Spinat (ca. 125 mg)

Mein persönlicher „Geheimtipp“ zur Deckung des Calciumbedarfs: ein hochwertiges Mineralwasser. Zu allen Mahlzeiten trinke ich prinzipiell nichts anderes. Ich empfehle euch mindestens 100 mg/l Magnesium und 200 mg/l Calcium. Der Natriumgehalt hingegen sollte aufgrund der blutdruckerhöhenden Wirkung bei sensitiven Personen 150 mg/l nicht überschreiten.

Milchprodukte gegen Osteoporose?

Calcium finden wir vor allem in Milchprodukten. Diese wurden früher ganz massiv zur Deckung des Bedarfes beworben und speziell zur Osteoporoseprophylaxe empfohlen. Doch neuere klinische Studien und Untersuchungen (s. unten) führen genau zu konträren Resultaten: Kuhmilch fördert eher das Risiko für Knochenbrüche als sie zu verhindern. Der Grund: häufiger Konsum führt im Körper zur Übersäuerung. Zum Abpuffern und zur Neutralisation des pH-Wertes wird als physiologische Gegenregulation Calcium aus den Knochen entzogen – deren Brüchigkeit steigt.

Milchprodukte als Krnakheitsauslöser?

Generell herrscht hier eine große allgemeine Verunsicherung. Einige aufmerksame Klienten stellten mir bereits besorgte Fragen, ob denn Kuhmilchprodukte tatsächlich Akne, Krebs oder neurodegenerative Erkrankungen fördern. Die Antwort fällt hier leider uneindeutig aus (je nach Interessenvertretung). Man findet sowohl Quellen, die diese These untermauern, aber auch Studien die alles widerlegen. Verlässliche – sprich neutrale – klinische Untersuchungen mit einer adäquaten Probandenzahl nach dem Goldstandard glänzen nach wie vor durch Abwesenheit. Zum aktuellen Zeitpunkt lässt sich also nicht mit Sicherheit feststellen, ob sich Milch – aufgrund der Steigerung des Wachstumsfaktors IGF-1 – tatsächlich für diese Prozesse verantwortlich zeigt.

Schwankende Werte nicht zwangsläufig kritisch

Ganz wichtig! Falls ihr euren Nährstoffstatus bestimmen lasst, dann beachtet bitte Folgendes: oftmals unterscheiden sich die Referenzwerte von Labor zu Labor und sie können tageszeitlichen (zirkadianen) bzw. saisonalen Schwankungen unterliegen. Lasst euch also nicht verunsichern, falls sich einer eurer Parameter außerhalb des Normbereiches befindet.

Falls euch noch Fragen zum Thema einfallen, dann stellt sie mir gern in den Kommentaren oder auf meiner Facebook-Seite.


Quellen:

Die dargelegten Informationen entstammen meinen Mitschriften aus den folgenden Vorlesungen meines Pharmaziestudiums an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena von 2003 – 2007, meinen persönlichen Erfahrungen sowie der nachfolgenden Literatur:

  • Vorlesung: „Pharmazeutische Biologie“ aus dem 1.-3. Semester – Dozent: Dr. Bernd Liebermann
  • Vorlesung: „Physiologie“ aus dem 3. Semester – Dozent: Prof. Dr. Hans-Georg Schaible
  • Vorlesung: „Ökotrophologie“ aus dem 4. Semester – Dozent: PD Dr. Volker Böhm
  • Vorlesung: „Biochemie“ aus dem 5. Semester – Dozent: Prof. Dr. Thomas Winckler
  • Schmidt, R.: Physiologie kompakt, 4. Auflage, Springer Verlag 2001
  • Biesalski, H.; Grimm, P.; Nowitzki-Grimm, S.: Taschenatlas Ernährung 6. Auflage, Georg Thieme Verlag 2015
  • Fink, E.: Ernährung und Diätetik für die Kitteltasche, 1. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2002
  • Hofmann, I.; Carlsson, S.: Die große Ernährungstabelle, 2. Auflage, Bassermann Verlag, 2006
  • Souci, S.; Fachmann, W.; Kraut, H.: Die Zusammensetzung der Lebensmittel, Nährwerttabellen, 8. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2016
  • www.dge.de
  • www.bmj.com/content/349/bmj.g6015: Prof. Karl Michaëlsson et al., „Milk intake and risk of mortality and fractures in women and men: cohort studies”, British Medical Journal, Oktober 2014

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